Haushaltsrede
für das Jahr 2011
für die Fraktion
der FÖDL
I. Allgemeines
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
Auch für unsere Gemeinde werden die negativen
Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise durch die sich abzeichnende
Konjunkturerholung zwar abgemildert, aber auch im Jahr 2011 wird der
Verwaltungshaushalt ein Defizit ausweisen.
Die Gemeinde hat damit auch im Jahr 2011 ihre
„eigene“ Investitionsfähigkeit verloren.
Anlass für Euphorie besteht deshalb keineswegs!
So lautet das
zusammengefasste Fazit der FÖDL für den Haushaltsplan 2011.
Die Einnahmen von Bund und Land in Form der
Einkommensteueranteilen und der sog. Schlüsselzuweisungen (Einnahmen aufgrund
mangelnder Steuerkraft) sind im letzten Haushaltsjahr 2010 buchstäblich weg
gebrochen.
Im Vergleich zum Haushaltsansatz 2010 hat sich nun die finanzielle Situation im
Einzelplan 9 des Jahres 2011 wieder um
1 015 000 Euro verbessert, im Vergleich
zu dem guten Haushaltsjahr 2008 fehlen im Einzelplan 9 aber immer noch
unglaubliche 1,4 Mio. Euro.
Dieses Defizit des Verwaltungshaushaltes mit einer
Höhe von 296 100 Euro muss mit Finanzmitteln des
Vermögenshaushaltes (sog. „Negativzuführung“) durch Entnahmen von Rücklagen
ausgeglichen werden.
290 000 Euro noch abgezogen werden muss.
Sofern sich die Finanzausstattung der Gemeinde nicht
durch deutlich höhere Außenfinanzierungseinnahmen entscheidend verbessert, ist
die weitere Fremdverschuldung des Eigenbetriebes Abwasserbeseitigung in
Millionenhöhe unvermeidlich.
Untermauert wird diese Aussage durch die
Planungsdaten der Gemeinde in der Mittelfristigen Finanzplanung 2010 – 2014.
Bis zum Ende des Planungszeitraums des Jahres 2014
wird demnach auf der Grundlage der heutigen Planungsdaten, das innere Darlehen
der Gemeinde an den Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung vollständig
fremdverschuldet sein.
(ca. 3,5 Mio. Euro).
Die FÖDL ist jedoch nicht dafür, in einen
überhasteten Aktionismus zu verfallen und öffentliche Einrichtungen übereilt zu
schließen und dadurch den Bürgerinnen und Bürgern wichtige infrastrukturelle
Angebote wegzunehmen.
Öffentliche Einrichtungen sind wichtige Bausteine des
Gemeinwesens, die das Leben und Wohnen in einer Gemeinde lebenswert- und liebenswert
machen.
Die Schließung öffentlicher Einrichtungen sollte
deshalb nur ein letztes Mittel sein, um das finanzielle Überleben der Gemeinde,
ihr Selbstverwaltungsrecht zu sichern.
Neben der Privatisierung von bestimmten Aufgaben
(siehe Freizeitzentrum Erlichsee) ist auch zu prüfen, welche Angebote sich die
Gemeinde auch in Zukunft noch leisten kann und soll.
Wie oben bereits dargestellt kommt für die FÖDL ein Schließung
bestehender Einrichtungen nur dann in Frage, wenn das finanzielle Überleben der
Gemeinde und ihr Selbstverwaltungsrecht durch andere Maßnahmen nicht gesichert
werden kann.
Die FÖDL spricht sich dafür aus, bei gravierenden
Entscheidungen zur Infrastruktur der Gemeinde, die Bevölkerung in den
Entscheidungsprozess miteinzubinden.
Dies entspricht unserem Demokratieverständnis und
unserer bisherigen Tradition. Erinnern möchten wir daran, dass die FÖDL seit
der Zugehörigkeit zum Gemeinderat die Bevölkerung bei wichtigen
kommunalpolitischen Themen informiert und beteiligt hat. Beispielhaft sind
hierbei zu nennen:
Geplanter Ausbau des Verkehrslandeplatzes Speyer
Ortumgehung Rheinhausen
Ausbau des Freizeitzentrums Erlichsee
Geplante Errichtung eines Dampfkraftwerkes
Der Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit
Die Gemeinde Oberhausen-Rheinhausen hat mit Beschluss
des Gemeinderates vom November 2010 der Stadt Waghäusel erhebliche Flächen für
die Offenlegung und naturnahe Gestaltung des Wagbaches zur Verfügung gestellt
und damit wie wir meinen ein starkes Signal im Lichte der künftigen
Interkommunalen Zusammenarbeit ausgesandt.
Die Ausweisung eines Gewerbegebietes im Bereich
Wasenallee
Die v.g. Ausführungen zur interkommunalen
Zusammenarbeit sind uneingeschränkt auf diese Thematik übertragbar.
II. Haushaltsvolumen 2011
Der Haushalt 2011 verteilt sich auf den
Vermögenshaushalt: 2 086 900 Euro = (-2 041 150 Euro gegenüber 2010)
II.1 Verwaltungshaushalt
a)
Ausgaben des Verwaltungshaushaltes
Im Verwaltungshaushalt sind insbesondere folgende
Ausgaben zu nennen:
Personalkosten
Die Personalausgaben betragen in diesem Haushaltsjahr
ca.3 000 000 Euro und sind damit trotz der einkalkulierten Lohnerhöhungen
niedriger als noch vor einigen Haushaltsjahren. Zu betonen ist hierbei, dass
die Gemeindeverwaltung in den letzten Jahren auf die Wiederbesetzung etlicher
Stellen verzichtet und damit zur Haushaltskonsolidierung beigetragen hat.
Hierzu zählen unter anderem
die beiden
Hallenbäder -
Zuschussbedarf 519 200 Euro
die beiden
Sporthallen -
Zuschussbedarf 386 900 Euro
die Musik-u.
Kunstschule -
Zuschussbedarf 140 000 Euro
der Betrieb
der Schulen -
Zuschussbedarf 527 450 Euro
der Betrieb
der Kindergärten - Zuschussbedarf 1 186 700 Euro
Gebäude W
& S
- Zuschussbedarf 397 050 Euro
Gebäude Alte
Post
- Zuschussbedarf 37 700 Euro
Einrichtung der Jugendhilfe - Zuschussbedarf 76 650 Euro
Diese Aufzählung verdeutlicht, dass eine Reduzierung
dieser Ausgaben begrenzt ist und sichtbare Spuren in unserer gewohnten
Infrastruktur und damit in unserem Gemeinwesen hinterlassen würde.
Den von der Gemeindeverwaltung aufgezeigten Weg, bei
Personalabgängen zur Reduzierung von Ausgaben auch die Möglichkeit der
Aufgabenerledigung durch private Dritte zu prüfen, erachten wir in
Teilbereichen durchaus gangbar.
So unterstützt die FÖDL den Vorschlag der
Gemeindeverwaltung die bestehenden Friedhofsverträge neu auszuschreiben und
auch auf die Pflege auszudehnen.
Verpachtung des Freizeitzentrums Erlichsee
Bibliothek durch Ehrenamt
umgesetzt. Die Einsparungen bei den laufenden Kosten
des Verwaltungshaushalt belaufen sich dadurch auf ca. 200 000 Euro jährlich.
Neuorganisation Bürgerhaus W & S (z.B.
Betriebsführung durch private Dritte)
Schließung eines Hallenbades
zu beschließen.
Durch die Umsetzung dieser beider Maßnahmen ließen
sich erhebliche laufende Kosten des Verwaltungshaushaltes in Höhe von ca. 500
000 Euro/jährlich einsparen.
Die künftigen Erfordernisse und Notwendigkeiten
werden wie bereits dargestellt entscheidend von den weiteren Auswirkungen der
Wirtschaftskrise abhängen.
Bei Anhalten der Finanzmisere werden jedoch der
Gemeinde nur Maßnahmen helfen, die im Gesamten zu Einsparungen von mehr als 1
Mio. Euro führen!
In Anbetracht des dargestellten und derzeit nicht
bezahlbaren Sanierungsstaus macht die Realisierung eines neuen Wohngebietes vor
dem Hintergrund vieler unbebauter Grundstücke und leerstehenden Häusern in
unserer Gemeinde absolut keinen Sinn.
So erfordern die Unterhaltung der Gemeindestraßen
einschl. Reinigung und der dazugehörigen Straßenbeleuchtung im Jahr 2011 einen
Zuschussbedarf in Höhe von 467 900 Euro.
Deshalb appellieren wir an die GV und den
Gemeinderat: Nehmen Sie Abstand von dem
beschlossenen neuen Wohngebiet „Erlengewann“. Erhalten Sie die vorhandene Natur
zugunsten des Klimaschutzes und der Naherholung.
Geben Sie der Sanierung und Belebung der alten
Ortskerne mit allen damit verbundenen notwendigen infrastrukturellen
Verbesserungen den Vorzug!!
Die FÖDL steht mit Ihrer Position und Ihrer Forderung
auf die Ausweisung von Neubaugebieten zu verzichten im übrigen nicht alleine:
Kinder- und Familienpolitik/Betreuungsangebote
Ausdrücklich unterstützen wir auch die Bemühungen der
Gemeindeverwaltung die Grundschulförderklasse in unserer Gemeinde zu erhalten
und fortzuführen.
Ca. 20 % der
gesamten Ausgaben des Verwaltungshaushaltes, wird für die Kinder und
Jugendlichen bei verschiedenen Haushaltsstellen bereitgestellt.
Hierzu zählen, der Betrieb der Kindergärten, der
Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe, Betreuungsmaßnahmen (Kernzeitbetreuung
Grundschule, Freizeitangebote mit Hausaufgabenbetreuung i. Hauptschule) etc.
Die FÖDL ist der
Auffassung, dass dieses Geld gut angelegt ist, denn es ist eine Investition in
die Zukunft.
Einführung der neuen Werkrealschule ab dem Schuljahr
2010/2011
Die neue Werkrealschule stellt eine zukunftsweisende
pädagogische Innovation dar, die die individuelle Förderung der Schülerinnen
und Schüler mit der Berufsorientierung verbindet. Die Einführung der neuen
Werkrealschule in unserer Gemeinde ist aus Sicht der FÖDL der Garant für den
Fortbestand des Schulstandortes Oberhausen-Rheinhausen.
Ausbau des Verkehrslandeplatzes Speyer
Große Enttäuschung und Ernüchterung hat uns zunächst
alle erfasst.
Die Betreibergesellschaft konnte im Jahr 2010 mit dem
Ausbau beginnen.
Dennoch war und
ist aus Sicht der FÖDL der Widerstand unserer Gemeinde und der
Bürgerinnen und Bürger, der bisher einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren
umfasst, nicht umsonst. Es gibt gute Gründe stolz zu sein:
- So haben sich durch das Urteil des OVG Koblenz nicht alle Wünsche der
Betreibergesellschaft erfüllt. Es gibt nun beim Verkehrslandeplatz Speyer ein
Nachtflugverbot!
Im Verfahren konnten zusätzliche Naturschutzauflagen
erstritten werden!
Der Widerstand rund um den Ausbau des
Verkehrslandeplatzes Speyer hat viele Menschen in der Gemeinde zusammengeführt
und vereint!
Der Ausbau konnte um mehr als 20 Jahre verzögert
werden!
Die FÖDL wird deshalb auch künftig mit vielen
Bürgerinnen und Bürgern wachsam sein!
Als Einnahmen des EP 9 sind insbesondere zu nennen:
Gemeindeanteil an der Einkommensteuer: 3 447 600 Euro (+265 200 Euro gegenüber
2010)
Schlüsselzuweisungen vom Land: 3 160 000 Euro (+39 300 Euro gegenüber
2009)
Gewerbesteuereinnahmen: 1 400 000 Euro (+400 000 Euro)
Investitionspauschale:
352 200 Euro (-22
400 Euro)
Die gestiegenen Gesamteinnahmen des Einzelplanes 9
bei gleichzeitig reduzierter Ausgaben bei der Kreisumlage (-90 000 Euro) und
bei der Finanzausgleichsumlage (-216 400 Euro) haben zur Erhöhung des
erzielten Überschusses um mehr als 1
Mio. Euro gegenüber dem Haushalt 2010
geführt.
Die Hauptlast der beabsichtigten Investitionen wird
durch die Entnahme noch vorhandener Rücklagen getragen.
Nach den Investitionen der letzten Haushaltsjahre
begrüßt es die FÖDL dass in diesem Haushaltsjahr weitere notwendige
Sanierungsmaßnahmen in Angriff genommen werden können. Hierzu zählen die
Deckenerneuerung, Beleuchtung, Elektrotechnik und Lüftung in den Fluren,
Brandschutzmaßnahmen.
Hallenbad in Oberhausen
Für die Sanierung des Daches und der Sanierung der
Innendecke werden 100 000 Euro als Restzahlung von insgesamt 293 000 Euro
bereitgestellt.
Sanierung des Sporthallendaches Oberhausen
Da schon längere Zeit Wassereintritt in die
Sporthalle festzustellen ist, erachtet es die FÖDL zur Erhaltung der
Bausubstanz unabdingbar notwendig, die Sanierung des Daches trotz knapper
Finanzmittel anzugehen. Für die Sanierung des Daches der Sporthalle und für die
Sanierung des Flachdaches im Foyer sind insgesamt 716 500 Euro vorgesehen.
Bau eines Kreisverkehrs, Knoten L555/Anbindung B 36
als Schlusszahlung der Gesamtbaumaßnahme sind 80 000
Euro und für die Überplanung der Beschilderung 25 000 Euro vorgesehen.
Straßenbau Poststraße Rheinhausen
Für die Planung einer baulichen Maßnahme zur
Reduzierung der Geschwindigkeit am Ortseingang von Rheinhausen (Poststraße –
von Altlußheim kommend) wird seit dem
Haushaltsplan 2006 eine Planungsrate in den Haushalt eingestellt. Es
bleibt nach wie vor zu hoffen, dass die Gemeindeverwaltung sich mit den
Eigentümern verständigen kann und die Ausführung der Maßnahme nicht an den
dortigen Eigentumsverhältnissen scheitert.
Für die Umsetzung der Baumaßnahme sind
40 000 Euro im Haushalt eingestellt.
b)
Einnahmen des Vermögenshaushaltes
2 086 900 Euro
ausgeglichen wird.
Die Ausgaben des Vermögenshaushaltes werden im
wesentlichen durch folgende Einnahmen ausgeglichen:
- Entnahmen aus den Rücklagen
= 1 666 800 Euro
- Verkaufserlöse aus Grundstücken und Gebäuden =
174 400 Euro
- Zuschuss des Landes:
=
100 000 Euro
- Bau eines Kreisels an L 555 zur Anbindung
Hammelsäcker,
Erstattung
insgesamt 420 000 Euro, davon in
2011 = 100 000 Euro
- Tilgung Krediten v. kommunalen Sonderrechnungen
(Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung) = 109 200 Euro
III. Eigenbetriebe
Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung
Davon entfallen auf den Erfolgsplan mit 675 000 Euro, und auf den
Vermögensplan 759 600 Euro. Im Vermögensplan ist für die
Durchführung verschiedener Baumaßnahmen (z.B. Bau von
Ringleitungen)eine
Kreditaufnahme in Höhe von 492 000 Euro
vorgesehen. Der Schuldenstand des Eigenbetriebes Wasserversorgung
(Fremdkredite) beträgt am Ende des Jahres 2011 ca. 1,4 Mio. Euro.
IV. Stand der
Verbindlichkeiten / Stand der Rücklagen
Im Kämmereihaushalt besitzt die Gemeinde am Ende des
Jahres 2011 keine Verbindlichkeiten.
Fremdverschuldung besteht beim Eigenbetrieb
Wasserversorgung am 31.12.2011 in Höhe
ca. 1,4 Mio. Euro und beim Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung in Höhe von
über 2,5 Mio. Euro.
Stand der Rücklagen
Bei Kassenwirksamkeit aller im Jahr 2011 geplanten
Vorhaben hätten die Rücklagen der Gemeinde am Ende des Jahres abzüglich der
Pflichtrücklage in Höhe von
282 000 Euro noch ein Höhe von 366 000 Euro.
V. Schlussbemerkungen
Weitere Einsparungen im Verwaltungshaushalt in Höhe
von mehr als 1 Mio Euro wären zur Sicherung des Selbstverwaltungsrechts der
Gemeinde dann unerlässlich! Die in der mittelfristigen Finanzplanung der
Gemeinde in den Jahren 2012 – 2014 zwangsläufig vorgesehene Fremdverschuldung
des Eigenbetriebes Abwasserbeseitigung ist eine rein zeitlich begrenzte
Möglichkeit die Gemeinde finanziell über Wasser zu halten!
Die politisch Verantwortlichen sind deshalb
aufgefordert, die Weichen für eine eigene nachhaltige Finanzpolitik der
Gemeinde rechtzeitig zu stellen und das finanzielle Überleben der Gemeinde auch
über den Planungszeitraum 2014 hinaus zu sichern. Die Fraktion der FÖDL stimmt
den Beschlussvorschlägen der Gemeindeverwaltung in allen Punkten zu.
Abschließend bedanken wir uns bei Ihnen Herr
Bürgermeister Büchner, Herrn Maier, sowie bei allen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern für die geleistete Arbeit.
Bei Ihnen meine sehr verehrten Damen und Herren,
bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit.
Thomas Zieger
für die Fraktion der FÖDL
FÖDL